2. Mai 2026
Immer mehr Patientinnen und Patienten kommen heute mit einer Mitteilung ihrer Smartwatch in unsere Praxis: „Hinweis auf Vorhofflimmern“. Apple Watch, Samsung Galaxy Watch, Withings Scanwatch, Fitbit oder andere Geräte sind in den letzten Jahren erstaunlich gut darin geworden, Herzrhythmusstörungen zu erkennen. Doch was bedeutet ein solcher Hinweis – und vor allem: Wie geht es richtig weiter? Wir klären auf.
Moderne Smartwatches nutzen zwei Technologien, um den Herzrhythmus zu beurteilen:
Studien zeigen, dass moderne Smartwatches Vorhofflimmern mit hoher Trefferquote erkennen – allerdings nur, wenn die Aufzeichnung in dem Moment erfolgt, in dem die Rhythmusstörung tatsächlich auftritt. Eine professionelle Diagnose ersetzt die Smartwatch jedoch nicht.
Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. In Deutschland sind etwa zwei Millionen Menschen davon betroffen – und mit zunehmendem Alter steigt das Risiko deutlich. Das Problem: Etwa ein Drittel der Betroffenen spürt keinerlei Beschwerden.
Genau diese stillen Verläufe sind gefährlich. Beim Vorhofflimmern können sich im Herzen Blutgerinnsel bilden, die mit dem Blutstrom ins Gehirn gelangen und einen Schlaganfall auslösen. Vorhofflimmern verfünffacht das Schlaganfallrisiko – und gerade hier kann eine Smartwatch lebensrettend sein, indem sie auch unbemerkte Episoden aufdeckt.
Die gute Nachricht: Wenn Vorhofflimmern erkannt ist, lässt sich das Schlaganfallrisiko mit modernen Gerinnungshemmern (NOAK) um über 60 Prozent senken.
Bleiben Sie ruhig – ein einzelner Hinweis ist kein Notfall. Folgendes Vorgehen hat sich bewährt:
Speichern Sie die Aufzeichnung in der App Ihrer Smartwatch. Bei der Apple Watch lässt sich das EKG als PDF exportieren, ähnlich bei Samsung Health oder Withings. Bringen Sie die Aufzeichnungen zum Termin mit – wir können sie professionell bewerten.
Notieren Sie, ob Sie Beschwerden haben: Herzstolpern, Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Leistungsknick. Auch der Zeitpunkt der Episoden ist wichtig (Ruhe, Belastung, Schlaf).
Bei akuten oder neu aufgetretenen Beschwerden wie Atemnot, Brustschmerzen oder Schwindel sollten Sie nicht abwarten. Rufen Sie uns an oder vereinbaren Sie zeitnah einen Termin. Bei starken oder bedrohlichen Beschwerden gilt immer der Notruf 112.
Viele Smartwatch-Hinweise auf Vorhofflimmern sind echt – auch ohne dass die Person etwas spürt. Lassen Sie den Befund daher fachärztlich abklären, idealerweise innerhalb weniger Wochen.
Wir bewerten Smartwatch-Aufzeichnungen seit Jahren routinemäßig und ergänzen sie durch professionelle Diagnostik:
Auf dieser Basis besprechen wir mit Ihnen die individuell beste Therapie – von einfacher Verlaufskontrolle bis hin zu medikamentöser Behandlung oder Überweisung zur Katheterablation in spezialisierte Zentren.
Studien zeigen für die Apple Watch und vergleichbare Geräte (Samsung Galaxy Watch, Withings Scanwatch, Fitbit Sense) eine hohe Trefferquote bei tatsächlich vorliegendem Vorhofflimmern. Falsch-positive Befunde kommen aber vor – etwa bei Bewegung, Extrasystolen oder anderen Rhythmusstörungen. Daher gilt: Eine Smartwatch-Warnung sollte immer ärztlich überprüft werden.
Bei dieser Meldung konnte der Algorithmus keine eindeutige Aussage treffen. Das ist häufig harmlos – die Aufzeichnung kann durch Bewegung, schlechten Hautkontakt oder eine ungünstige Position gestört sein. Treten solche Meldungen jedoch wiederholt auf oder kommen Beschwerden hinzu, sollten Sie eine professionelle Untersuchung machen lassen.
Nein. Smartwatches sind ein wertvolles Frühwarnsystem, aber kein Ersatz für die ärztliche Diagnostik. Ein medizinisches Langzeit-EKG zeichnet kontinuierlich mehrere Ableitungen über Tage oder Wochen auf und bietet eine deutlich höhere diagnostische Sicherheit. Smartwatch und Langzeit-EKG ergänzen sich aber sehr gut.
Für Menschen mit Risikofaktoren – Bluthochdruck, Diabetes, Schlafapnoe, höheres Lebensalter, Schlaganfall in der Familie – kann eine Smartwatch mit EKG-Funktion sinnvoll sein. Sie ersetzt jedoch keine regelmäßige ärztliche Vorsorge, sondern ergänzt sie. Wir beraten Sie gerne zur sinnvollen Nutzung.
Die Bewertung von Smartwatch-Aufzeichnungen ist Teil unserer kardiologischen Sprechstunde. Bei Hinweisen auf Vorhofflimmern oder andere Rhythmusstörungen werden die notwendigen weiteren Untersuchungen von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.
Hat Ihre Smartwatch einen Hinweis auf Vorhofflimmern oder eine andere Auffälligkeit angezeigt? Bringen Sie die Aufzeichnungen mit – wir bewerten sie professionell und ergänzen sie bei Bedarf durch weitere Untersuchungen. Vereinbaren Sie einen Termin in unserer Praxis am Josef-Haubrich-Hof 5 in Köln – telefonisch unter 0221 921677-0, per E-Mail an info@kardiologiekoeln.de oder online über Doctolib.
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